Die Geschichte

Der Shaolin Tempel wurde ca. 495 n. C. am Fuße des Berges "Song Shan" (Chinesisch: 嵩山, Pinyin: Sōng Shān) in Dengfeng, Provinz Henan, erbaut und durch seinen Kampfstil Shaolin Kung Fu (Chinesisch: 少林功夫, Pinyin: Shàolín Gōngfu, W.-G. shaolin Kung fu‚ "Shaolin-Fähigkeiten", 少林拳法 Shàolín Quánfǎ, "Shaolin-Faust-Fähigkeiten", oder kürzer 少林拳 Shàolín Quán (Kant. Sil Lum Kuen "Shaolin-Faust") und der damit verbundenen Philosophie Chan-Buddhismus (Chinesisch: 禪 / 禅, Pinyin: Chán) weltberühmt.

Der erste Abt und gleichzeitig Gründer des Shaolin Tempels war Ba Tuo (Chinesisch: 佛陀跋陀罗 Pinyin: Fótuó Bátuóluó, oder kurz 跋陀 Bátuó, Hindi: Buddhabhadra) der jedoch zu dieser Zeit noch den Nikaya Buddhismus (Chinesisch: 小乘, Pinyin: Xiǎochéng) lehrte, welcher ihm aufgrund der vielen Regeln nur sehr wenig Schüler bescherte. Bereits zu dieser Zeit brachten Ba Tuo's Schüler die Kampfkünste nach Shaolin. Hier zeigt sich schon, dass der Shaolin Tempel oft fälschlicherweise als Wiege der Kampfkünste bezeichnet wurde. Viel eher sollte man ihn als eine Art Universität betrachten, ein Ort an dem verschiedenste Kampfstile und Techniken untereinander ausgetauscht, weiterentwickelt und weitergegeben wurden. Shaolin Kung Fu ist nur einer von vielen Stilen welche in China allgemein als Wushu (武术; Pinyin: Wǔshù, dt. Kriegskunst/Kampkunst) bezeichnet werden.

480 n. Chr. reiste der Buddhistische Mönch Bodhidharma (* um 440 n.Chr.; † um 528 n.Chr.) (Chinesisch: 菩提達摩, Pinyin: Pútídámó oder kurz 達摩 Pinyin Dámó) nach China, überquerte den Himalaya in die nördlichen Provinzen, wanderte zuerst nach Südchina und dann an den Kaiserhof der Liang-Dynastie. Anschließend ließ er sich 523 n. Chr. wieder im Norden in der Provinz Henan (Chinesisch: 河南, Pinyin: Hénán) nieder. Hier befand sich auch das bis heute aktive Shaolin-Kloster, in dem er der Legende nach eine vom Mahayana-Buddhismus abgeleitete Philosophie der Selbstbetrachtung lehrte, und mit den Mönchen des Klosters den Chan-Buddhismus entwickelte. Diese Lehre gelangte von dort weiter nach Korea (Kor. Son), Vietnam (Viet. Thien) und Japan (Jap. Zen), von wo sie ab dem 19. Jahrhundert im Westen auch als Zen-Buddhismus bekannt wurde.

Da Mo's Lehre des Chan-Buddhismus verbreitete sich immer mehr. Zu dieser Zeit wurde sie jedoch ausschließlich nonverbal weitergegeben, von "Herz zu Herz und von Geist zu Geist". Erst mit Hui Neng, dem 6. Patriarch nach Da Mo, änderte sich auch dies. Er begann die Lehren niederschreiben zu lassen, sodass sich der Chan-Buddhismus auch außerhalb von Shaolin ausbreiten konnte. Da Mo fand, dass die Mönche körperlich und gesundheitlich schwach waren und führte daraufhin vier Bewegungsformen zur Verbesserung ihrer Gesundheit ein:

易筋经 Pinyin: Yì Jīn Jīng (气功 Pinyin: Qì Gōng):

Muskel-, Faszien-und Sehnentransformation.

洗髓经 Pinyin: Xǐ Suǐ Jīng (气功 Pinyin: Qì Gōng):

Knochen- und Markreiningungsform.

罗汉十八手 Pinyin: Luóhàn Shíbā Shǒu:

18 Luohan-Bewegungen von denen sich die 18 Luohan-Formen ableiten. Später die 54 und dann die 108 Luohan-Formen.

五形拳 Pinyin: Wŭ Xíng Quán:

Drache (龙形 Lóng Xíng), Tiger (虎形 Hǔ Xíng), Leopard (豹形 Bào Xíng), Kranich (鹤形 Hè Xíng), und Schlange (蛇形 ShéXíng).

Der erste Abt der Cao Dong Linie "Fu Yu" (Chinesisch 雪庭福裕 Pinyin: Xuětíng Fúyù, 1203–1275).

Die Mönche dieser Zeit waren vor allem als Kampfmönche bekannt, da diese Zeit durch viele Kriege und Unruhen geprägt war. Es gilt als historisch belegt, dass der Shaolin Tempel im Jahre 728 n.Chr. 13 Kampfmönche entsandte, um den Sohn des damaligen Tang-Kaisers Taizong (唐太宗, Táng Tàizōng, * 23. Januar 599 n.Chr; † 10. Juli 649 n.Chr) auch bekannt als Li Shimin (Chinesisch: 李世民 Pinyin: Lǐ Shìmín) im Kampf gegen Wang Shichong (Chinesisch: 王世充 Pinyin: Wáng Shì Chōng, ?-621), der zuvor auch den Shaolin Tempel angriff, zu unterstützen, und das mit Erfolg. Daraufhin erhielten sie als Dank, unter anderem, zusätzliches Land, sodass der Tempel auch mehr an Größe gewann.

Fu Yu lud regelmäßig die besten Kämpfer des Landes in den Tempel ein um sich auszutauschen, gemeinsam zu trainieren und die Techniken zu verfeinern und so zu einem gemeinsamen Stil zusammenzufügen, dem Shaolin Kung Fu. Die Mönche zeichneten Formen (Bewegungsabläufe) und Techniken auf und sammelten diese in einer Bibliothek. So wuchs das Shaolin Kung Fu heran, es entstanden immer mehr Formen und Kampftechniken, sowohl mit als auch ohne Waffen.

Während der Ming-Dynastie (1368-1644) erlebte der Shaolin Tempel seine Blütezeit. Die Kampfmönche waren zu diesem Zeitpunkt über 2500 Mann stark. Zudem wurden unzählige Varianten und Techniken geübt. Heute sind etwa 371 Bewegungsabläufe bekannt.

Leider wurde der Tempel im Laufe der Geschichte mehrmals völlig zerstört, geplündert und wieder aufgebaut, weshalb auch weitere Tempel innerhalb und außerhalb Chinas entstanden. Viele dieser Tempel bestehen und wachsen heute noch. Die letzte komplette Zerstörung lässt sich auf das Jahr 1928 zurückführen, wobei religiöse Kunstschätze sowie eine Vielzahl an Schriften des Tempels verloren gingen. Im Zuge der Kulturrevolution ab 1966 wurde der Tempel erneut zerstört und die Mönche verfolgt und vertrieben. Die Ruinen des Klosters waren jahrelang nur von wenigen Mönchen bewohnt. Unter ihnen lebte auch unser Großmeister Shi Yan Ming (Chinesisch: 釋延明 Pinyin: Shì Yán Míng). Im Jahr 1982 wurde der Tempel durch den Film "Shaolin Temple" mit Jet Li im Westen bekannt und auch für den Tourismus entdeckt.

Heute ist der Tempel hauptsächlich ein Museum für Touristen aus aller Welt und fast komplett frei zugänglich mit Ausnahme der privaten Unterkünfte der dort lebenden Mönche. Zudem wird der Tempel mit Hilfe der chinesischen Regierung restauriert.

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