SHAOLIN UND CHAN

SHAOLIN UND CHAN

Shaolin Chan ist eine weit zurückreichende, in vielerlei Hinsicht altehrwürdige und reiche Tradition, deren Wurzeln auf den Reinen- Land-Buddhismus (Chinesisch vereinfacht: 净土宗; Chinese traditionell: 淨土宗;Pinyin: Jìngtǔzōng; Jap.: 浄土仏教[1], Jōdo bukkyō; Kor.: 정토종, jeongtojong; Viet.: Tịnh Độ Tông) sowie den Chan- Buddhismus zurückgehen. Um ein tieferes Verständnis der Bedeutung von Shaolin Chan für die Kultur des Shaolin entwickeln, sowie den Beitrag und Wert ermessen zu können, den Shaolin Chan als zeitgenössische globale Weisheitstradition darstellt, ist es wichtig, die Usprünge und die Entwicklung vom Reinen- Land Buddhismus und dem Chan Buddhismus zu untersuchen.

DER REINE – LAND – BUDDHISMUS

(Chinesisch vereinfacht: 净土宗; Chinese traditionell: 淨土宗;Pinyin: Jìngtǔzōng; Jap.: 浄土仏教, Jōdo bukkyō; Kor.: 정토종, jeongtojong; Viet.: Tịnh Độ Tông)

Der Amitābha -Buddha gewidmete buddhistische Kult, " ist für mehr Praktizierende von Bedeutung als jede andere buddhistische Tradition und nähert sich in der Art wie er ausgeübt wird, einer Form von monotheistischer Verehrung an. ….. Für Jahrhunderte formten die Amitābha -Sutras und ihre Auslegungen chinesischer und japanischer Schüler die Vision und Hoffnung von Millionen ostasiatischer Buddhisten….", (Paul Williams, Mahayana Buddhism, The Doctrinal Foundations, 2007, 251).

Die Textgrundlage für den Amitābha- Kult, bekannt als der Reine-Land-Buddhismus, beruht auf drei Mahayana Sutras: die größere und kleinere Sukhavativyuha- Sutra sowie das Amitayurdyhana- Sutra (Kuan-wu-liang-shou-fo Ching), (Williams, 251). Es wird angenommen, dass die größere Sutra im 2. Jhdt. oder im frühen Beginn des 3. Jhdts. n. Chr. ins Chinesische übersetzt wurde. Das kleinere Sutra, das für ostasiatische Buddhisten von Bedeutung ist, wurde um 402 n. Chr. von Kumarajiva (Chiū mó ló shíh), einem Mönch aus dem buddhistischen Königreich Kucha, übersetzt. Er war Schüler und Übersetzer, der die Lehren der Sarvāstivāda-Schulen studierte und später unter Buddhasvāmin (ein ebenfalls aus Kucha stammender berühmter Mönch) ein Anhänger des Mahayana-Buddhismus wurde. (Williams, 252). Kuchanesen waren wie gesagt Bewohner des buddhistischen Königreiches Kucha, das an der Seidentraße lag und dem heutigen Xinjiang (China) entspricht. Man kann also sehen, dass der Reine-Land-Buddhismus seine Wurzeln in dem kleineren Sukhavativyuha Sutra hat und schon mehrere hundert Jahre vor der Gründung des Shaolin Tempel in Henan in China präsent war.

Sowohl die kleinere als auch die größere Sukhavativyuha- Sutra spricht von Buddha Amitābha oder Amitayus. In der Tradition des Reinen-Land -Buddhismus, der Abstammungslinie, der sich der Shaolin Tempel zugehörig fühlt, sind das zwei unterschiedliche Namen für einen Buddha. Amitabha bedeutet ‚unendliches Licht' weil "sein Licht unermeßlich ist und eine Myriade von Buddha-Feldern in jede Richtung mit seinem Glanz erhellt ." (Williams, 252). Er ist aber auch aufgrund seines ‚unendlichen Lebens' als Amitayus bekannt, das unzählige Äonen andauern wird. Das ‚ unendliche Licht' steht in Beziehung zu seiner Weisheit und das ‚unendliche Leben' zu seinem grenzenlosen Mitgefühl mit allen Lebewesen.

Bevor er Buddha Amitābha wurde, war er jedoch ein Bodhisattva namens Dharmākara:

Jener, der in der Präsenz des vorangegangenen Buddha, seinen Geist empfangen und gerichtet hat auf das wundervolle Buddhafeld, verkörpernd all den Wert von Myriaden von Buddhafeldern und diese überschreitend. Er machte eine Reihe von Gelöbnissen…. Zueigen ist den Gelöbnissen die Bedingung… "wenn dieses Gelöbnis nicht erfüllt wird, dann soll ich kein voll erleuchteter Buddha werden. Da Bodhisattva Dharmākara niemand anderer als Buddha Amitābha ist, thronend in seinem Reinen Land Sukhāvati im Westen, wissen wir, dass alle Gelöbnisse erfüllt sind." (Williams, 253).

Zum einen war es der Begründer des Chan Buddhismus, Bodhidharma , der als buddhistischer Mönch im 5. oder 6. Jhdt. n.Chr. lebte und als 1. Patriarch anerkannt wird, der mit dem körperlichen Training der Shaolin Mönche begonnen haben soll . Zum anderen wird der 1. Patriarch des Reinen-Land-Buddhismus zwei Persönlichkeiten zugeschrieben: zuerst Hui-yüan, ursprünglich ein Praktizierender des Taoismus, der von den taoistischen Praktiken zur Unsterblichkeit enttäuscht war.

An dieser Stelle ist es wichtig, den indischen Dhyana-Meister Batuo zu erwähnen, der 464 n. Chr. nach China kam und für die Dauer von 30 Jahren Nikaya (小乘)-Buddhismus predigte; Nikaya-Buddhimus ist ein anerkannterer Terminus für den weithin bekannten Begriff des Hinayana- Buddhismus. Hinzuzufügen wären auch noch die frühen buddhistischen Schulen, wobei im allgemeinen angenommen wird, dass diese auf die Sthaviravādins- und die Mahāsāṃghikas- Schulen zurückzuführen sind. Diese Schulen wurden etliche Jahren nach dem Tod von Gautama Buddha gegründet. Auf Anweisung des Herrschers des nördlichen Wei Reiches, Xiaowen, wurde 495 oder 496 n. Chr. für Batuo das Shaolin Kloster gegründet, damit er dort predigen konnte. Batuos Schüler Sengchou und Huiguang waren Experten der Kampfkünste, als sie mit ihren Studien bei Batuo begannen.

Die Heilslehre des Reinen-Land-Buddhismus basiert auf Amitābha, mit seinem Gelöbnis, all jene zu erretten, die sich an ihn wenden (Williams, 257). Das weist auf einen bestimmten Aspekt des chinesischen Reinen-Land-Buddhismus hin und zeigt den Unterschied zum Chan-Buddhismus. Der Reine-Land-Buddhismus basiert auf Glaube und der Verehrung Amitābhas, um im Paradies wiedergeboren zu werden oder Sukhavati zu erlangen, einer leicht zu erreichenden Erleuchtung.

Hingegen legt Chan mit seinen feinen Nuancierungen und pädagogischen Unterscheidungen den Schwerpunkt auf:

eine spezielle Übermittlung außerhalb jeglicher Skripten, nicht aufgebaut auf Worten oder Buchstaben. Durch die direkte Hinwendung zum Geist kann man die Natur erkennen und Buddhaschaft erlangen.

Um ein tieferes Verständnis dafür zu erreichen, muss man sehen, dass die chinesische sowie die japanische Version des Reinen-Land-Buddhismus ihre Wurzeln in Indien, genaugenommen bei Nāgārjuna und Vasubandhu der indischen Madhymaka- und Cittamātra-Schulen, hat. Nāgārjuna, oder Lóngshù, als der er in China (150 -250 n. Chr.) bekannt ist, wird als einer der wichtigsten buddhistischen Philosophen nach Gautama Buddha angesehen. Mit seinem Schüler Aryadeva wird er als Begründer der Madhyamaka- Schule des Mahāyāna- Buddhismus anerkannt. Mahāyāna- Buddhismus fand um 402 n. Chr. große Verbreitung in China.

Vasubandhu (4.Jhdt. n. Chr.) ist ebenfalls einer der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Buddhismus.

Der chinesische Reine-Land-Buddhismus hat eine Version von Sastra, einer Auslegung eines Sutras und ein Text der Weisheit, die Nāgārjuna zugeschrieben wird. Nāgārjuna setzt sich in dieser Sastra mit den beiden Möglichkeiten auseinander, als Bodhisattva den leichteren oder einen schwereren Weg (mein Schwerpunkt) zu gehen. Williams zitiert D.T. Suzukis Übersetzung folgenderweise: " Sich der Entbehrung verpflichtend zu disziplinieren ist schwer, wohingegen es leicht ist, dem Glauben zu folgen…. . Jene, die nicht mehr als körperliches, menschliches Wesen zurückkehren wollen, sollten den Geist mit Ehrerbietung und dem Verkünden des Buddhanamens (Amitābha) erfüllt haben."

Zusätzlich ist Vasubandhus Werk zu einem ähnlichen Thema zu erwähnen, das Sukhāvativyūhopadesa genannt wird und ursprünglich ein chinesisches Werk war, das in Sanskrit übersetzt wurde (Williams, 257). Dieses Werk ist für den Reine-Land-Buddhismus in China von größter Bedeutung. Dazu äußert sich Williams 2007 folgendermaßen: Besonders wichtig ist Vasubandhus Verdeutlichung des Konzeptes von Glaube als eine Form der Anbetung von Amitābha, seinen Namen zu preisen, allzeit zu geloben, im Reinen Land wiedergeboren zu werden, über Sukhavati zu meditieren und die dadurch erreichten Verdienste dahingehend zu anzuwenden, um das allumfassende Mitgefühl zu vervollkommnen und allen empfindenden Wesen Gutes zu tun (258). Daher breitete sich die Anbetung Amitābhas über die Jahrhunderte immer mehr aus, besonders im 6., 7., und 8.Jhdt während der Sui und Tang Dynastien.

Der 2. anerkannte Patriarch des Reinen-Land-Buddhismus ist Tánluán (476–542 n. Chr.). Er empfahl ebenfalls den leichten Weg zur Erlösung und verbreitet diese Sicht, um eine Religion für die Masse zu gründen. Anstatt sich, wie Chan es empfiehlt, auf die eigene Kraft und Praxis zu verlassen, um Erleuchtung zu erlangen, stützt man sich auf eine Kraft außerhalb von sich selbst, nämlich der, Amitābhas. Dann kann man in Sukhāvati wiedergeboren werden und auf leichtem Weg zur Erleuchtung gelangen.

Laut Tánluán kann man sich durch das ständige Wiederholen seines Namens die erlösende Kraft Amitābhas angedeihen lassen. Das ist bekannt als Nianfo -Praxis (Chinesisch: 念佛, Pinyin: niànfó ). Laut rezitierend oder still, ist der Geist voll auf den Namen konzentriert auf und es bleibt kein Raum für abschweifende Gedanken. Der Geist vereint sich mit den Qualitäten des Buddhas, wie Weisheit und Mitgefühl usw. Durch diese Praxis wird der Geist von den Sünden gereinigt und die Wiedergeburt im Reinen-Land oder in Sukhāvati ist gewiss. Noch dazu wird durch diese Methode der Geist beschützt " (Chinesisch: 扞心, Pinyin: hànxīn ). Es wird gesagt, dass mit einer einzigen Rezitation unzählige Äonen von negativem Karma ausgelöscht werden (Chinesisch: 孽缘, Pinyin: nièyuán ). Indem man nicht impulsiv agiert, sondern mit einem klaren und mitfühlenden Geist, können unglückliche Situationen besser akzeptiert werden und es wird ihnen erlaubt, vorüberzugehen ohne neue Gründe für ihr Wiederauftreten zu schaffen. In seiner extremsten Form könnte also auch der schlimmste Sünder durch das Aufrufen von Amitābhas Namen in Sukhāvati wiedergeboren werden. Diese Form des chinesischen Reine-Land-Buddhismus wird im heutigen Shaolin Tempel praktiziert, bekannt als Shaolin- Chan.

Ist eine Person im Reinen-Land angekommen und zur Erleuchtung gelangt, besteht die Aufgabe darin, zurückzukehren zur Welt, um den anderen von Nutzen zu sein. Das ist die Erfüllung des Bodhisattva-Gelöbnisses. Also folgt Tánluán den Ausführungen Vasubandhus insofern, als dass der Grund in Sukhāvati anzukommen und erleuchtet zu werden darin besteht, zurückzukehren und anderen beim Ausbruch aus dem Rad des Samsara (Leben und Tod) zu helfen (Williams, 260). An diesem Punkt taucht eine interessante Frage auf: wer oder was wird wiedergeboren, nachdem der Körper gestorben ist , nachdem im Buddhismus kein eigentliches Selbst vorhanden ist noch von einer Seele gesprochen wird. Das könnte eine besonders interessante Frage für jene gewesen sein, die sich im Verlauf der Geschichte so für Sukhāvati begeisterten, dass sie Selbstmord begangen haben, um dort schneller anzukommen. Wen oder was haben sie getötet und als der Körper starb, wer oder was wurde in Sukhāvati wiedergeboren?

Noch dazu kann die Äußerung ‚ Namo Amituofo' (Niederwerfung zu Buddha) Fa-chao zugerechnet werden, in der zweiten Hälfte des 8. Jhdts., während der der Ausdruck 'O-mi-t'o-Fo' standarisiert wurde (Williams, 263).

Wie schon erwähnt, ging der Bodhisattva Dharmākara zahlreiche Gelöbnisse ein, bevor er Buddha Amitābha wurde. Es wird gesagt, dass sein achtzehntes Gelöbnis von besonderer Bedeutung war. In der heutigen Shaolin-Kultur des Shaolin-Chan kann man sehen, dass, wer auch immer Amitābhas Namen hört, der höchste Glaube in ihm erweckt wird und die Hoffnung besteht, im Reinen-Land wiedergeboren zu werden. Wie schon festgestellt, wer seinen Namen oftmals ausspricht – seinen Namen nur zehnmal zu sagen ist nicht ausreichend und unangebracht – wird ausersehen, in Sukhāvati wiedergeboren zu werden.

Laut Shaolin Chan City Blogspot "...bedeutet Wiedergeburt, wiederwachen zu dem reinen Geist, genau in diesem Moment.

Wie Chan schon sagte:

DEUTSCH: "Der Geist allein ist das Reine Land, die ursprüngliche Natur ist Amitābha."

CHINESISCH: 唯心净土,本性弥陀

PINYIN: wéixīn jìngtǔ, běnxìng mítuó

Aus diesem Grund sind viele Malas für das Handgelenk aus achtzehn Perlen gemacht oder es werden zusätzlich 18 Perlen zu den 108 Perlen einer Halskette hinzugefügt , die die achtzehn Gelöbnisse repräsentieren.

Schließlich muss auch noch erwähnt werden, dass der 4. Chan- Patriarch Daoxin (Chinesisch: 道, Pinyin: dàoxìn , 580-651), der vom East Mountain Tempel auf Shuangfeng (Huangmei) aus Instruktionen gab, lehrte, dass das Rezitieren von Buddhas Namen den Geist beruhigt. Rezitation ist das verbindende Glied zwischen der Chan- und der Nianfo-Praxis. Daoxin lehrte, dass der ‚Reine Geist' das ‚Reine Land' ist. Ein Schüler von Daoxin, der 5. Chan-Patriarch Hongren (Chinesisch: 弘忍 Pinyin: hóngrěn , 601-674), empfahl Anfängern das Rezitieren, um den Geist stiller werden zu lassen.

CHAN-BUDDHISMUS

(Chinesisch: 禅宗 Pinyin: chánzōng) Verschiedenste Chan-Lehrer, Schulen und Praktiken haben erklärt, dass "es nicht notwendig ist, Sutras oder den Namen Amitābha zu rezitieren, Statuen aufzustellen, Lehrern oder Älteren zu dienen oder auch nur irgendwelchen tugendhaften Verpflichtungen nachzugehen" (Williams, 263). Andere argumentierten, dass es sehr schwierig ist, durch Chan-Buddhismus Erleuchtung zu erlangen. Hingegen wird auch gesagt, dass Chan den Reinen-Land-Buddhismus unterstützen kann und umgekehrt. Laut Williams "machte der Chan Meister Yen-shou (904-975 n. Chr.) einen Schritt in die Richtung, die Praktiken des Chan und des Reinen-Land-Buddhismus zu vereinen. Schließlich ist alles Geist und in vielen Texten wird erklärt, dass in Buddha in Wirklichkeit nichts anders ist, als der eigene Geist. Noch dazu helfen Chan und der Reine-Land-Buddhismus, egoistische Verlangen zu unterbinden und den Geist des Praktizierenden zu reinigen" (Williams, 263-264).

Während der Ming- und Manchu-Dynastien waren beide Strömungen etabliert und es war durchaus üblich, diese zu kombinieren. Da beide die Methode der meditativen Vertiefung verwenden, kann gesagt werden, dass eigentlich kein Unterschied besteht. Der chinesische Reine-Land-Buddhismus legt den Fokus auf eine stufenweise Entwicklung, wobei Anfänger mit dem Rezitieren von Amitābha beginnen und dabei mit den Augen sein Bild vor sich haben. Nachdem diese Stufe erreicht wurde , sollen die Praktizierenden Buddha vor ihrem geistigen Auge haben um schlussendlich auf der höchsten Stufe anzugelangen, wo es keinen Buddha zu visualisieren gibt, noch ein Selbst, das dieses ausführen könnte und es nichts gibt, das es zu erreichen gilt. Im Gegensatz dazu konzentriert sich der chinesische Chan , bekannt als die südliche Schule (siehe unten,) auf das plötzliche Erwachen und der Erleuchtung durch das Durchschneiden aller Illusionen und das Erkennen der eigenen ursprünglichen Natur.

So wie Shenhui, der bekannte Schüler Huinengs, es ausdrückte: "Das Schwert durchschneidet alles."

Beide Methoden sind ausgerichtet auf das Erreichen des reinen, nicht-dualen Bewusstseins. Die Shaolin Tradition besteht aus der Reine-Land- und Chan- Tradition. Die im Verlauf der Geschichte verwendeten Praktiken des Shaolin Tempels beinhalten die bereits erwähnte ‚Kraft außerhalb von uns selbst' und die ‚uns innewohnende Kraft'. Sie waren und sind Teil des täglichen Trainingsablaufes der Praktizierenden des Shaolin. Die Praxis, wie sie beschreiben wird, ähnelt also sowohl der südlichen als auch der nördlichen Schule der Erleuchtung.

DIE NÖRDLICHE UND SÜDLICHE CHAN-SCHULE DER ERLEUCHTUNG

Die nördliche Schule mit Shen Xiu (Chinesisch 神秀; Pinyin: Shén Xiù) als Begründer (einer der beiden genannten Namen des 6. Patriarchen des Chan und der zuerst genannte Nachfolger des 5. Chan-Patriarchen Meister Hongren) meinte, dass es eine auf vier Säulen beruhende Formel der nördlichen Schule oder der Schule der ‚stufenweisen Erleuchtung' gibt. Zuerst gibt es die Konzentration des Geistes, um Dhyana oder Samadhi zu erreichen (meditative Versenkung), dann den Geist dort zu verankern , um den Geist in seiner reinen Form zu beobachten und dann den erwachten Geist im Licht der Erkenntnis leuchten zu lassen und schließlich den Geist zu kontrollieren für die innere Überprüfung.

Die Gründung der südlichen Schule wird dem bekannten, aber früher umstrittenen 6. Chan- Patriarchen Huineng aus Guangdong (Provinz in China), zugeschrieben. Die Schule ist bekannt als die ‚Schule der plötzlichen Erleuchtung' und einige ihrer Vertreter bezeichneten die nördliche Schule als ineffizient. Nach Huinengs Tod verdammte dessen wichtigster Schüler die nördliche Schule und bezeichnete ihren Zugang zur Erleuchtung als ein Hindernis für Bodhi (der Erleuchtung) und verkündete, dass die Sitzmediation (Zuo-chan) völlig unnötig sei und sogar feststellte: "Hier in meiner Schule frei von Gedanken zu sein, ist bereits Sitzmeditation. Die eigene wahre Natur zu erkennen ist Dhyana (Chan).

Die südliche Schule im 8. Jhdt. wollte als die ‚wahre' Schule gesehen werden. Sie war auch beteiligt an einer grundlegenden inneren Reform im Buddhismus, die sich in weite Teile Chinas ausbreitete. Besonders im Süden, von den westlichen Städten Chengtu und Tzuchou bis zu den östlichen Zentren des Buddhismus Yangchou, Kiangning (Nanking) und Hangchow, von den Bergretreats in Hunan und Kiangsi zu den südlichen Regionen Shaochou und Kuangchou. Tatsächlich war die nördliche Schule der stufenweisen Erleuchtung im 8. Jdht. von der Bildfläche verschwunden. Fast jeder Chan- Lehrer oder jede Schule schloss sich, trotz der Schwierigkeiten eine Verbindung zu beiden herzustellen, Huinengs und Shenhuis Schule an.

GUIFENG ZONGMI – DIE USPRÜNGE VON CHAN – ALLGEMEINE EINLEITUNG

Guifeng Zongmi (Chinesisch: 圭峰 宗密, Pinyin: Guī fēng zōng mì, Wade-Giles: Kuei-feng Tsung-mi; Jap.: Keihō Shūmitsu 780–841)

Der Mönch Zongmi, der 841 n. Chr. starb, teilte die Chan-Bewegung in zehn Schulen und Prinzipien, die er drei Hauptströmungen zuteilte:

1. Jenen, denen gelehrt wird "die falschen Gedanken durch Kultivierung und Kontrolle des Geistes auszulöschen", gehören der Schule des alten oder indischen Dhyana an.

2. Jenen, denen gelehrt wird, dass "nichts real ist und man sich nirgendwo festhalten kann" und es weder die Wahrheit (Gesetz) gibt noch Buddhaschaft zu erlangen gilt. Dazu gehören die Ochsenkopfhügel-Schule und die Hsi-ch'ein (Shih-t'ou)-Schule.

3. Jene, die alle anderen Formen des Chan verwerfen und "sich direkt dem Geist oder der wahren Natur des Menschen zuwenden." Zu dieser Richtung gehören die Schulen von Shenhui, Huienengs Nachfolger, wodurch wir die Verbindung zu Shaolin-Chan des Shaolin-Tempels sehen können. Die dort praktizierte buddhistische Praxis steht in Beziehung zu Tsung-mis drei Richtungen.

DER MÖNCH FARU UND SEINE LEHREN IM SHAOLIN TEMPEL

Es gab einen Mönch der nördlichen Schule namens Faru (638-689), dessen Lehrer Hui-ming und Meister Hongren (Hung-jen) waren. Es gibt die nicht sehr glaubwürdige Behauptung, dass Faru der erste anerkannte Nachfolger von Hongren war, dem 5. Patriarchen, also anstelle des bekannteren Shenxui und dem allgemein anerkannten sechsten Patriarchen Huineng.

Durch Faru wurde das 496 n.Chr. erbaute Shaolin-Kloster wieder sehr populär. Obwohl er sich dort nur vorübergehend aufgehalten hat, wurde das Kloster zum Zentrum der aufblühenden Chan-Bewegung. Er bewirkte eine Ausbreitung des Chan bis in den Norden von China und entwickelte eine Stil, der später als die ‚nördliche Schule der stufenweisen Erleuchtung' bezeichnet wurde.

Er ließ sich im Schaolin Tempel neben dem königlichen Gerichtshof von Luoyang nieder. Seine Lehren fanden große Verbreitung und er hatte einen starken Zulauf an Schülern. Chan verbreitete sich dort rasch, wo es noch vor einiger Zeit wenig bekannt war. Faru und seinen Dharma-Nachfolger wird zugeschrieben, für diese Popularität in den zwei königlichen Hauptstädten Luoyang und Changan verantwortlich zu sein. Nach Farus Tod 689 n. Chr. führte Shenxiu die Chan -Bewegung an. Eine Grabinschrift gedenkt des Erfolgs von Farus Pionierleistung und befindet sich auf dem Berg Sung.

HUINENG – DER MEISTER DER GROSSEN EINSICHT- DER 6. PATRIARCH DES CHAN

Laut eines alten Textes verkündete der 5. Patriarch Meister Hongren, dass 11 seiner Schüler seine Lehre forstsetzen werden. An erster Stelle stand sein Schüler Shen Xiu, welcher ein bedeutender Chan-Lehrer wurde und der Begründer der nördlichen Schule des Chan. Huineng war Nummer acht und wurde nach seinem Tod zum eigentlichen 6. Patriarchen erklärt. Dass er der einzig geheime Übermittler der wahren Chan-Lehre und der Besitzer von Bodhidharmas Robe gewesen sein sollte, ist möglicherweise trotz einiger Wahrscheinlichkeit, eine erfundene Geschichte seines Schülers Shenhui.

Schlussendlich können wir feststellen, dass Buddhismus in China eine lange und starke Präsenz von fast 2000 Jahren hat in der Form des Reinen-Land-Buddhismus und des chinesischen Chan-Buddhismus. Beide dieser bekannten Bewegungen beeinflussten die Entwicklung des Shaolin Tempels und das Wachstum der Shaolin- Kultur. Man kann aus den Einflüssen die der Reine Land Buddhismus und Chan auf die Geschichte des Shaolin Tempels hat, schließen, dass eine synkretistische Entwicklung stattfand, wie auch in anderen Teilen Chinas, welche heute als Shaolin Chan bezeichnet wird. Noch bekannter ist die Richtung als Shaolin Kung Fu und weniger bekannt für die meditativen und frommen Praktiken des Reine-Land-Buddhismus und des Chan. In Wahrheit sind diese beiden Richtungen synonym mit Shaolin Kung Fu und absolut nicht getrennt davon zu sehen. Heutzutage werden sie weltweit von zahlreichen Praktizierenden gekannt und ausgeübt und sind ein wertvoller Beitrag zu den heutigen weltweit existierenden Weisheitstraditionen.

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